Thema
(pixelio.de)
„Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiß ich es.Wenn ich es jemandem erklären will, der fragt, weiß ich es nicht.“
(Augustinus, Bekenntnisse XI 14)
Zeit: sie macht es uns nicht leicht. Sie lässt sich nicht festhalten und kann doch zäher sein als ein Kaugummi. Sie ist nicht sichtbar, aber hinterlässt überall deutliche Spuren. Sie besitzt unterschiedliche Geschwindigkeiten, die direkt an unsere Befindlichkeit gekoppelt sind. Was schnell vergehen soll, hat keine Eile. Was bleiben soll, vergeht wie im Flug. Wir können die Zeit vertreiben, strecken, dehnen, verschwenden, nutzen, sparen und mehr. Unsere Sprache kennt viele Ausdrücke und lässt die Zeit dabei zu einem „Material“ werden, das extrem wandlungsfähig und belastbar ist.
Wir können Zeit sogar totschlagen, ohne dass wir deshalb vor einem Gericht erscheinen müssen. Außerdem verschwindet die Zeit nicht, selbst wenn wir das tun. Dumm ist es trotzdem: Ihr kennt alle das Spiel mit der Sanduhr. Wenn man sie umdreht, dann muss ein ganzer Berg durch ein Nadelöhr fließen. Am Anfang scheint gar nichts zu passieren. Der Berg wirkt unbeweglich. Nur auf dem Boden bildet sich eine unbedeutende Erhebung, kaum wahrnehmbar. Aber irgendwann kommt Bewegung in den oberen Teil. Er sackt ein, und die Körner scheinen durchs Nadelöhr zu rasen, schneller und schneller, bis schließlich in der unteren Hälfte ein neuer Berg gewachsen ist. Wer will, kann die Sanduhr umdrehen und das Spiel von vorn beginnen. Im Leben ist das nicht möglich. Da bleibt uns nur eine Chance. Wir alle besitzen einen Zeitvorrat, der begrenzt ist. Wenn wir davon auch noch jede Menge totschlagen, treffen wir letztlich uns selbst damit. Deshalb ist es wichtig, wie wir unsere Zeit füllen, was wir aus ihr machen. Wir leben nun einmal nicht für immer auf dieser Erde. Wir sind hier nur auf der Durchreise.
Deshalb trifft die Zeit mich direkt und persönlich. Denn irgendwann wird sie mir ausgehen. Das weiß ich. Dieses Wissen liegt wie ein Schatten auf meinem Denken und Tun. Menschen „verschwinden wie ein Traum. Sie sind vergänglich wie das Gras: Morgens noch grünt und blüht es, am Abend schon ist es verwelkt.“ (Psalm 90, 5b-6)
Macht mir das Angst? Soll ich mich davon beherrschen lassen? Oder gibt es andere Wege? Das Erfahren der Vergänglichkeit greift tief in mein Leben ein. Aber ich bin nicht einfach Opfer. Ich kann entscheiden, wie ich mich dazu verhalte. Ich kann darüber nachdenken und zu Schlussfolgerungen kommen, die nicht hoffnungslos sind. Zeit geht jede und jeden etwas an. Sie ist also auch etwas, das uns verbindet. Es gibt nicht nur individuelle Vorstellungen, wie man Zeit gestalten kann, sondern auch gemeinschaftliche. Es gibt Entwicklungen, die alle betreffen und die deshalb auch nach möglichst breiten Antworten verlangen.
In vielen Bereichen brennt es: der hausgemachte Klimawandel, die schwindenden Rohstoffe, die ungerechte Verteilung des Reichtums in der Welt sind momentan wohl die drei größten Probleme, die uns herausfordern. Alle wissen davon, aber viel zu wenige handeln bislang. Können wir uns das noch leisten? Auch hier gibt es Möglichkeiten, dem etwas entgegenzusetzen, Projekte zu entwickeln, die im kleinen Großes bewirken, Ideen zu schmieden, die die Welt zusammenhalten. Das Landesjugendcamp 2010 als Zukunftswerkstatt, als Schatzhöhle guter Lebenseinsichten, als Spaßquelle, als reales Facebook, als Ort quicklebendigen Christseins? Ja, natürlich! Genau das soll es sein und noch viel mehr! Es liegt in eurer Hand! Macht was draus!
Die Zeit brennt!
Wolfgang Blaffert


